Gotha 100 Jahre VDSG – Begrüßungsansprache

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kreuch,
sehr geehrte Repräsentanten der Institutionen, der Verlage –  und der Teilverbände der DGfG,
in Sonderheit verehrter Herr Präsident, lieber Hans-Rudolf,
liebe, geschätzte Gäste aus allen Teilen des Landes,

ich freue mich, Sie hier im Bürgersaal des Historischen Rathauses der Stadt Gotha zur Feier des 100jährigen Bestehens des VDSG begrüßen zu können.

Für mich als derzeitigem Vorsitzenden des VDSG ist es eine besondere Ehre, diesen einmaligen Tag   hier mit Ihnen zelebrieren zu können, wo unser Fachverband vor 100 Jahren durch Hermann Haack gegründet worden ist.

Dies so unmittelbar im zeitlichen Umfeld des 22 Jahrestages der wieder erhaltenen deutschen Einheit auch in der Mitte Deutschlands feiern zu können, hat eine ganz besondere, nicht nur geographische Symbolik.

Vor 25 Jahren fand die Feier zum 75 Jährigen im relativ nahen Göttingen statt, und im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs konnte seinerzeit ein Tagesbesuch Gothas einbezogen werden. Die  freundliche Aufnahme der überschaubaren Geographenschar aus „dem Westen“ durch die hiesige Tourismusstelle ist an anderer Stelle eindrucksvoll verbrieft.

Heute erleben wir die Gastfreundschaft Gothas durch die besondere Geste der Stadt, uns diese Festveranstaltung in diesem vorzüglichen Rahmen zu ermöglichen.  Dafür, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sind wir Ihnen und Ihrem Herrn Märtin aus dem Öffentlichkeitsreferat und somit der Stadt Gotha sehr, sehr dankbar. Wir erleben es  nicht so häufig, dass unserer Anwesenheit so viel Zuvorkommenheit gewidmet wird. Dass es zum 100.Geburtstag in dieser Weise erfahrbar ist, ist ein wunderschönes Geschenk.

Unser Ehrenvorsitzender Heinz.-W. Friese, der 1987 die Feierlichkeiten zum 75 jährigen umsorgt hatte, hatte sich ganz besonders auf diesen Tag hier in Gotha gefreut. Als unter der Teilung Deutschlands  leidender Mitteldeutscher und als leidenschaftlicher Schulgeograph war ihm die Einheit Deutschlands in der Mitte Europas nachgerade eine Mission.

Gotha 2012 mit zu feiern,  war ihm daher eine wahrhafte Herzensangelegenheit. Allein sein Herz hat es ihm versagt. Im Juli ist Heinz W. Friese im 83.Lebensjahr verstorben.  -  So sei ihm diese Veranstaltung heute von uns herzlich gewidmet.

Verehrte, liebe Gäste,

wir feiern 100 Jahre Verband deutscher Schulgeographen. Allein der Zeitraum mag dies rechtfertigen. Vor allem aber ist es die stets ehrenamtliche Tätigkeit unzähliger Lehrender, die die Geschicke des Verbandes in wechselvoller Geschichte des Verbandes und des Schulfaches geprägt hat, was uns heute guten Grund zur Feier gibt.

Sich neben allen dienstlichen Verpflichtungen und immer auch auf Kosten des Privatlebens einer Arbeit „nebenher“ zu verschreiben, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein sehr ehrenwertes Unterfangen im Dienst der geographischen Bildung, einer Herzensangelegenheit, die viel Kraft kostet, immer wieder Enttäuschungen mit sich bringt, viel zu wenig die angestrebten und erhofften Erträge einfährt, aber immer ein inniges Anliegen bleibt. Deshalb ist der Anlass einer Feier wie heute auch der Punkt, einmal innezuhalten, es sich gut gehen zu lassen, um mit gestärkter Verbundenheit den Verband wieder in die alltäglichen Bahnen, aber auch zu neue Aufgaben zu lenken.

Vergangenes zu erinnern, Kommendes zu skizzieren, das ist auch die Zielsetzung der Festschrift, die wir Ihnen zum heutigen Tage präsentieren. Ursprünglich als kleine Illustration geplant, wie es sich für ein Neben-Fach zu geziemen scheint, ist unter der wissenden und engagierten Betreuung durch unseren Ehrenvorsitzenden Eberhard Schallhorn aus dem Geplanten dann doch ein stattliches Konvolut erwachsen, das uns allen hoffentlich zur Erbauung und Ermunterung anzeigt, was unser Verband zu leisten im Stande ist. Es ist ein kleines und durchaus bedeutsames Stück Schulgeschichte Deutschlands, das wir Ihnen hier vorlegen. Allen Autoren sei herzlich gedankt für ihren Beitrag.

Lieber Eberhard, dir  danke ich für alle Mühe, allen Einsatz, den du auch nach der Niederlegung deines Vorsitzes unserem Verband widmest und den du mit der Festschrift und mit dem Festvortrag eindrucksvoll unterstreichst. Wir im Verband Deutscher Schulgeographen und in der Deutschen Gesellschaft für Geographie können und wollen auf deine Erfahrung, dein Wissen, deinen Einsatz für die gemeinsamen Anliegen nicht verzichten.

Meine Damen und Herren,

Festschrift und Vortrag werden uns zwangsläufig auch nachdenklich stimmen…

Was Hermann Haack, den Gründer unseres Verbandes vor 100 Jahren antrieb, das hat – erschreckend genug – nichts von seiner Aktualität eingebüßt:  Allen jungen Menschen eine hinreichende geographische Bildung zu ermöglichen ist nach wie vor unser Haupt-Anliegen.

Nur zu oft steht dieses allerdings in Abrede. Das ist erstaunlich, erstaunlich und geradezu befremdlich auch deswegen, weil wir uns doch heute – in der Eigentümlichkeit unseres modernistischen Sprachverhaltens – mehr denn je in der „globalisierten Welt“ bewegen — mit Navi, Wikipedia, Google Earth und Multi-Tasking, … stets mit Coolness. Die Vordergründigkeit des Alltags nimmt überhand, die Tiefe wahrer Bildung wirkt immer beschwerlicher…

Macht da die handwerkliche  Kunde unserer Erde überhaupt noch „Sinn“?

Für uns ist das keine wirkliche Frage. Mehr denn je sind wir gefordert, wider den Zeitstrom und seinen „Geist“ einzutreten für sach- und adressatengerechten Unterricht. Guter Erdkundeunterricht ist und bleibt unverzichtbar.

Im Raum erfahren wir bekanntlich die Zeit. Ohne Kenntnis des Raumes, ohne Raum-Bewusstsein fehlt uns ein stützender Pfeiler politischer, gesellschaftlicher Mündigkeit.

Wir sind uns einig, ohne Orientierung kommt niemand durch die Welt, und wir meinen nicht nur die räumliche Orientierung… Kenntnis und Bewusstsein für die natur- und kulturräumlichen Zusammenhänge in unserer Welt zu vermitteln, hervorzubringen,  inhaltliche Orientierung zu leisten und die Wertschätzung unserer Erde zu fördern sind unsere Verpflichtung.

Lassen Sie uns weiterhin an unseren mehr denn je gerechtfertigten Zielen geographischer Bildung festhalten und unbeirrbar für sie eintreten.

Ich danke Ihnen am heutigen Tage von Herzen für alles, was Sie diesen Zielen an Ideen, Kraft und Zuwendung gewidmet haben und weiterhin widmen werden.

Das kann man gar nicht genug feiern!

Frank-Michael Czapek,  29. September 2012

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